Samstag, 10. Juli 2010

Für Internet- und Handy-Fernsehen produzieren

Problematischer als die kleinen Bildschirme ist derzeit das Thema Bandbreiten. Wirkliche DVD-Qualität lässt sich erst ab doppelter DSL-Bandbreite erreichen. Alles darunter bedeutet Qualitätseinbuße:

Eine rasante Kamerafahrt, ein schneller Schwenk – was im echten TV ein willkommener und gelungener Effekt sein kann, wird bei einer langsameren Internetverbindung schnell zu einem verpixelten Bild, das bei dem (Online-)Zuschauer eher den Eindruck hinterlässt, jemand habe sein Handwerk nicht beherrscht.

Bei Handys ist das Problem anders gelagert. Nachdem bewegtes Bild ohnehin erst ab UMTS-Geschwindigkeiten machbar ist, sind das Problem nicht die Bandbreiten, sondern die Größe. Auf wenigen Zentimetern ist deutlich weniger erkennbar als auf einem Schirm mit über 100 cm Diagonale.

Bildsprache ruhiger machen. Das ist die wesentliche Voraussetzung für PC- und Handy-Fernsehen. Sie muss wieder, entgegen den Trends der letzten Jahre, langsamer werden, gemäßigter, mehr mit der Totalen als mit Details arbeiten. Denn raffinierte Details, schnelle Fahrten und Schwenks auf 7-cm-Diagonalen sind vergebliche Liebesmüh. Gefordert ist also: eine ruhige Bildsprache.

Der Text wird wichtiger. Für ein neues, komprimiertes Fernsehen muss man also einige Dinge in Frage stellen. Dass ein Beitrag als Ganzes wirken soll (also Bild, Text und Ton als Einheit), dass auch Bilder für sich allein Wirkung und Atmosphäre erzielen sollen, gilt nur sehr eingeschränkt. Der Beitrag soll weiter eine Einheit bleiben, aber die Gewichtungen müssen anders sein.

Auch die Regeln fürs Texten müssen deshalb neu überlegt werden. Wenn ein Bild und dessen Aussage nur schwer erkennbar sind, dann sollte man dem Zuseher unterschwellig sagen, was er da gerade sieht. Keine Spielereien, keine Drehungen und Wendungen – schnell zum Punkt kommen, mit einer klaren, unmissverständlichen Aussage.
Quelle: Christian Jakubetz, in Schulte/Buchholz, Fernseh-Journalismus

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